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Perfektionistinnen kennen dies vielleicht: Die Ansprüche an sich selbst steigen vor einer bestimmten Aufgabe schnell mal ins Unermessliche. Der innerliche Druck wird dadurch immer größer. Die Arbeit selbst fällt so allerdings immer schwerer. Das muss nicht sein. Mit dieser Methode verschaffe ich mir mehr Leichtigkeit.

 

Vor kurzem hatte ich wieder einmal einen ziemlich herausfordernden beruflichen Auftrag. Und schon lange bevor der Tag X gekommen war, spürte ich, wie beim Gedanken an diese spezielle Klausurmoderation der Druck auf meinen Schultern beträchtlich war. Ein Gefühl, als ob mich „irgendetwas“ nach unten drücken würde. Als ob mein gesamter Oberkörper  zusammengequetscht, eingeschnürt wird. Das war wohl die Angst, diese Aufgabe nicht bewältigen zu können, meinen Ansprüchen an mich selbst nicht zu genügen. Kurzum: Nicht gut genug zu sein.

 

Angst ist keine gute Grundlage für erfolgreiche Arbeit.

 

Mit Angst und „zusammengedrückt“ nachzudenken, vorzubereiten, kreative Lösungen zu finden, ist alles andere als optimal. Solche Gefühle erschweren meine (Vorbereitungs-)Arbeiten, weil ich, wenn ich mich so unter Druck setze, nicht mit der notwendigen Leichtigkeit auf all meine Ressourcen, mein Wissen und meine Erfahrung zugreifen kann. Ängste und Druck machen mir klares Denken schwerer und schneiden mich darüber hinaus auch von meinem Zugriff auf meine Intuition ab.

 

Was kannst du in solchen Situationen tun?

 

Die Ängste und der Druck kommen ja aus mir selbst oder besser gesagt: aus Teilen meines Ichs.
Aus Anteilen in mir, die eine bestimmte Funktion erfüllen, und die immer auch ein Bedürfnis von mir ausdrücken.
Ich-Anteile, die mit meiner Geschichte zu tun haben.
Ich-Anteile, die es grundsätzlich – so grotesk das vielleicht für dich klingen mag – gut mit mir meinen.

 

Hier eine der Methode, wie ich mitunter in solchen Fällen vorgehe:

 

Schritt 1:

Ich versuche zunächst, meine Gefühlsgemengelage ein bisschen aufzudröseln. Frage mich also zuerst, wer alles sich da aktuell denn auf meiner inneren Bühne herumtummelt. Welche Anteile von mir meinen gerade, mir Anweisungen und Hinweise geben zu müssen?

Im oben beschriebenen Fall waren das in erster Linie diese drei:
* Eine sehr strenge, lehrende Person, die gute Leistungen erwartet.
* Eine Jugendliche, die Angst hat, den Ansprüchen des Lehrers nicht gerecht zu werden und deshalb die Anerkennung nicht zu verdienen.
* Ein ca. vierjähriges Kind, das Angst vor Konflikten hat.

 

Schritt 2:

Diesen Anteilen von mir gebe ich gedanklich ein Gesicht, also eine konkrete Gestalt. (Ich verlasse mich dabei gänzlich auf die Bilder, die einfach aufsteigen.)
Als Lehrenden habe ich mir dann wirklich einen strengen Lehrer von mir aus der Unterstufe vorgestellt.
Die Jugendliche kleidete ich in meiner Vorstellung auch ganz konkret ein.
Und das vierjährige Kind war praktischerweise 😉 einfach ich als kleines Mädchen.

 

Schritt 3:

Im nächsten Schritt ist es mir wichtig, zu würdigen, was diese Ich-Anteile grundsätzlich für mich zu tun versuchen:

Beim Herrn Lehrer habe ich mich dafür bedankt, dass er immer wieder versucht, mich zu herausragenden Leistungen anzuspornen. Und dafür, dass er mir diese überhaupt grundsätzlich zutraut.

Der Jugendlichen galt mein Dank, weil auch ihr Wirken darauf abzielt, dass ich gute Leistungen erbringen möge. Und ich habe ihr versichert, dass sie immer wertvoll sei und Anerkennung verdiene, sogar dann, wenn sie mal nichts leisten sollte.

Und die kleine Elke, die möchte, dass wir beide es harmonisch haben, habe ich einfach gedanklich in den Arm genommen, ihr versichert, dass ich sie lieb habe, dass der Konflikt nichts mit ihr (ja nicht einmal mit mir) zu tun hat und dass ihr sowieso nichts passieren kann, weil ich sie immer beschützen werde.

 

Schritt 4:

Dann nehme ich diese Personen in meiner Vorstellung aus meinem Körper heraus und stelle sie in einer Entfernung von mir auf, die für mich gut passt. Also in einer Distanz, die mir das Gefühl gibt, der ursprünglich empfundene Druck weicht, sodass sich in mir mehr Leichtigkeit einstellen kann. (Das ist für mich kein Abspalten dieser Anteile. Sie gehören weiterhin zu mir. Aber durch die Platzzuweisung in meiner Vorstellung wird es mir möglich, eine andere Form von Kontakt mit ihnen zu halten. Sie ergreifen nicht mehr „Besitz von mir“, sondern ich bin im Dialog mit ihnen, wir begegnen uns auf Augenhöhe.)

Allerdings achte ich auch darauf, was diese personifizierten Ich-Anteile auf ihrem neuen Platz tun. Wie sie auf mich wirken, ob sie mit ihrer zugeteilten Position auch zufrieden sind.

Den größten Abstand zu mir hatte danach der strenge Lehrer. Aber die Position dort war durchaus ok für ihn. Er war beruhigt, weil er nun wusste, dass er weiterhin da sein darf und dass mir gute Leistungen eh wichtig sind. Die ihm gegenüber „ausgesprochene“ Anerkennung gab ihm das Gefühl, er könne „seinen Job“ ausreichend machen.
Die ursprünglich besorgte Jugendliche stand mir näher, aber war nun beruhigt.
Und die kleine Elke spielte völlig unbekümmert ganz in meiner Nähe.

 

Das Ergebnis: Mehr Leichtigkeit.

 

In kurzer Zeit werde ich so den ursprünglich selbst produzierten Druck dahingehend los, dass er mir nicht mehr gefühlsmäßig dermaßen auf die Pelle rücken kann. Es stellt sich die Leichtigkeit ein, mit der ich gut und gerne arbeite.

Die Methode bewirkt bei mir, dass ich zu einem „Problem“ eine gewisse Distanz herstellen kann. So bin ich dann emotional nicht mehr so stark „gefangen“. Differenziertes Denken fällt mir wieder leichter.

Bei mir funktioniert diese Methode mittlerweile sehr rasch. Ich schätze, ich habe für den oben beschriebenen Ablauf maximal 10 Minuten gebraucht. Bei meinen ersten Versuchen war ich sicher um vieles langsamer. Das scheint eine reine Übungssache zu sein. Wie Klavierspielen. Oder Schifahren. (Wobei dies überhaupt kein Plädoyer dafür sein soll, hierbei ein gewisses Maß an Schnelligkeit anzustreben. Ganz im Gegenteil: Wenn ich mir für die Arbeit mit meinem Inneren Team mehr Zeit nehme, kann dies eine sehr schöne Erfahrung sein. Dem Inneren Kind zum Beispiel Trost zu spenden, es zu herzen und sein Aufblühen innerlich zu erleben, löst sehr feine Gefühle aus. Solche Erfahrungen auszukosten, sich dafür Zeit zu nehmen und es zu genießen, ist etwas sehr Schönes.)

Ich mag es, auf so eine Art und Weise mit meinen inneren Anteilen zu arbeiten, weil ich dabei nicht gegen mich selbst bzw. gegen Teile von mir kämpfen muss. Dies erlebe ich als einen sehr wertschätzenden Umgang mit mir selbst.

Meiner Erfahrung nach ist eine Art von Dialog mit meinem Inneren Team viel zieldienlicher als zum Beispiel zu versuchen, existente Ängste einfach nur wegzuwischen oder aufgebauten Druck zu negieren.

 

Ich hoffe, dir damit eine (von mehreren) Möglichkeiten ((1) – zu den Quellen siehe unten) vorgestellt zu haben, wie du mit deinen perfektionistischen Ansprüchen an dich selbst besser umgehen und dir zu mehr Leichtigkeit verhelfen kannst.

Schreib mir doch (zum Beispiel gleich unten in den Kommentaren), wie dir dieser Beitrag gefallen hat. Oder mit welcher Methode du deinen Perfektionismus erfolgreich in einem gesunden Zaum hältst.

Tu dir Gutes. Denn: Du bist gut genug. 🙂

Mit sonnigen Grüßen
elke

(1)    Diese Methode wurde nicht von mir „erfunden“. Eine konkrete Quellenangabe ist mir jedoch leider nicht möglich. Viele Therapie- und Coachingrichtungen arbeiten mittels unterschiedlichster Methoden/Übungen mit Ich-Anteilen. Ich kann nicht angeben, ob ich diesen oben beschriebenen Prozess irgendwo genau in dieser Abfolge gelernt hätte. Ich vermute eher, dass ich intuitiv – quasi im Tun – aus den verschiedenen Methoden, die ich dazu kenne, ein Vorgehen, welches für mich passt, abgeleitet habe.

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