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Ein grundsätzliches Bedürfnis von uns Menschen ist es, gesehen zu werden. Wahrgenommen zu werden als Mensch. Als Mensch mit meinen Wünschen, Sehnsüchten, Problemen, Leistungen. Gesehen zu werden als Person. Wenn uns niemand wahrnimmt, bekommen wir rasch das Gefühl, ganz klein und total unwichtig zu sein.

Eine der schlimmsten Strafen, die wir zum Beispiel als Kinder erfahren haben könnten, ist Nichtachtung. Wenn Erwachsene, die auf uns böse waren, so getan haben, als ob es uns gar nicht gibt, als ob sie uns nicht sehen.

 

Lust auf ein kleines Experiment?

 

Bitte stelle dir vor, du hättest gestern mit zwei Nachbarinnen gesprochen. Stell dir einfach vor deinem inneren Auge vor, worüber ihr geredet haben könntet – auch, wenn du bisher noch nie mit ihnen ein Gespräch geführt hast. Wie sehen sie aus? Was haben sie an? Wovon erzählen sie dir?

 

Und jetzt denke bitte an deine Lieblingslehrerin damals in der Schule? Wie war sie, welches Fach hat sie unterrichtet? Warum hast du sie damals so gemocht.

 

Fertig?

Gut.

Jetzt erzähle mir bitte: Waren es Frauen oder Männer, an die du bei diesen beiden Aufgaben gedacht hast?

 

Sprache erzeugt Wirklichkeit.

Ich bin kein Unternehmensberater. Ich bin kein Trainer.

Ich fühle mich nicht mitgemeint, wenn von Bürgern, von Grazern, von Unternehmern, … die Rede ist.

Ich fühle mich nicht angesprochen, wenn von Partnern, von Steirern, von Interessenten oder sonst wem geschrieben wird.

Wenn mich jemand meint, dann soll er oder sie sich auch die Mühe machen, mich auszusprechen oder von mir zu schreiben. So viel Zeit bin ich wert.

 

Es heißt ja so schön, „Kindermund tut Wahrheit kund“. An seinem zweiten Tag in der Volksschule hatte mein Sohn eine Führung durch das Schulgebäude. Dabei stand auch ein Besuch der Klasse beim Direktor an der Tagesordnung. Am Nachmittag von mir befragt, was denn so alles in der Schule gewesen sei an diesem Vormittag, erzählte er mir davon. Und meinte: „Ich wusste gar nicht, dass auch Frauen Direktor sein können.“

 

Sprache macht sichtbar oder unsichtbar.
Und Frauen verdienen es, gesehen und gehört zu werden.

 

Ich wünsche euch, wahrgenommen zu werden!

Mit sonnigen Grüßen

elke

 

PS: Übrigens, ja, wir Frauen haben auch andere Probleme. 😉

 

 

Bildquelle: Fotolia.com

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