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Mein Coming Out.

Gedankengänge | 19 Kommentare

Dies ist derjenige Text, welchen zu veröffentlichen mir bisher am meisten Mut abverlangt hat. Und gleichzeitig war diesen Beitrag zu schreiben wahrscheinlich das Wichtigste, was ich für meine Weiterentwicklung tun konnte. 

 

Manche werden möglicherweise diesen Blog-Beitrag überhaupt nicht nachvollziehen können, weil sie die Ängste nicht kennen, die mich bisher aufgehalten haben, gewisse Anteile von mir offen nach außen zu zeigen. Aber ich denke, wir haben alle Seiten an uns, die wir eher nur einem sehr vertrauten Kreis zugänglich machen. Insofern vertraue ich darauf, dass du mich letztlich verstehen wirst.

 

Eine Freundin hatte mir vor vielen Jahren ihre Wahrnehmung meiner Person mit einem Bild beschrieben. Sie sah mich als farbenfrohe Tulpe. Ich sitze in der Mitte dieser Blume und meine Blütenblätter sind an Fäden befestigt, deren Enden ich in der Hand halte. Mit einer unglaublichen Virtuosität sei ich ständig am Steuern, abwechselnd einzelne oder mehrere  Fäden zu lockern und wieder anzuziehen, sodass – je nach Situation – unterschiedliche Blütenblätter aufgehen und Licht darauf fallen kann. Wie eine Musikerin, die ihr Instrument sehr gut beherrscht, spiele ich sensitiv mein Lied. Und es gäbe Blütenblätter, die ich permanent im Dunklen lasse, die ich anderen niemals zeige, zu welchen ich vielleicht selbst ganz lange nicht hingesehen habe.

 

Jetzt halte ich dies zu einem Teil für relativ normal.

Niemand von uns lebt und zeigt ständig alle ihre/seine Seiten. Wir schwingen uns ein auf unser Umfeld und stimmen uns ein auf die diversen Rollen, die wir innehaben. In unserem Job treten wir bis zu einem gewissen Grad anders auf als zum Beispiel in der Ausübung der Mutterrolle, …
Wir stimmen unser Instrument immer wieder neu, um mit dem Orchester, in dem wir im jeweiligen Augenblick spielen, harmonische Klänge erzeugen zu können. Und wir spielen mit unterschiedlichen Menschen(gruppen) verschiedene Melodien bzw. manchmal sogar sehr konträre Musikstile.

 

Zu einem anderen Teil erachte ich dies sogar als sinnvoll.

Um bei dem Bild der Tulpe zu bleiben: Wären alle meine Blütenblätter ständig weit aufgeklappt, würde ich mein gesamtes Innerstes nach außen kehren und nicht wenige Mitmenschen wären dadurch sogar überfordert.

Abgesehen davon macht es mich natürlich verletzlich.

Nun halte ich wirklich sehr viel vom Zulassen meiner eigenen Verletzlichkeit.

Die letzten Jahre hindurch habe ich mich intensiv darin geübt, diese Verletzlichkeit lieben zu lernen.
Denn, wenn ich eines kapiert habe, dann das, was Brené Brown so wunderbar in ihren Büchern beschreibt, dass nämlich erst das Annehmen der eigenen Verletzlichkeit uns ermöglicht, aus vollem Herzen zu leben.

Allerdings empfiehlt Brown auch, darauf zu achten, wer es verdient, deine Verletzlichkeit zu sehen!

 

Das waren nun zwei Argumente für mein virtuoses Tulpenspiel.

 

Was spricht jedoch dagegen?

 

In meiner Arbeit mit Frauen sehe ich immer wieder eine Verhaltensweise bzw. einen Anspruch, der unheimlich viel Kraft kostet:
Das unsagbar anstrengende Bemühen, alles (oder zumindest möglichst viel) unter Kontrolle zu haben.

Vor allem dieser nie und nimmer einlösbare Wunsch, die eigene Wirkung auf andere und das, was andere von uns denken, kontrollieren zu können, ist es, der auf Dauer sehr müde macht.

Viele Frauen mühen sich enorm ab und investieren eine Menge an Zeit, Energie und Geld, um dem „zu entsprechen“, von dem sie glauben, dass es angeblich von ihnen erwartet wird.
Egal, ob es jetzt um ihr Äußeres geht oder um Fragen, ob sie mit ihren Leistungen gut genug sind.

Dahinter liegt die Sehnsucht nach Anerkennung, Liebe und dem Zugehörig-Sein.

 

Mein Tulpenspiel entspringt natürlich ebenso diesem Wunsch nach Anerkennung und Geliebt-Werden.

Bereits in meiner Kindheit habe ich außerordentlich sensible Fühler dafür entwickelt, wie Menschen ticken und wie sie gestimmt sind. Dieses Spüren von atmosphärischen (Ver-)Stimmungen und Schwingungen, das feine Wahrnehmen von Sehnsüchten, Emotionen, Energien, …  war für mich als Kind Auslöser, je nach Wahrnehmung eben einzelne Blütenblätter zu bewegen und so ans Scheinwerferlicht zu bringen.

 

Diese Fertigkeit des feinen Wahrnehmens erweist mir – und letztlich meinen Kundinnen – heute grundsätzlich in meiner Arbeit im 1:1-Coaching und mit Gruppen sehr hilfreiche Dienste.
Also, auf das gute Spüren und Wahrnehmen will ich daher weiterhin nicht verzichten.

 

Aber ich habe mit bald schon 46 Jahren keine Lust mehr, unnötige Zeit und Energie zu verlieren mit Kontroll-Versuch-Tulpenblätterspielen und durch das Rittern um Anerkennung von außen.

Ich mag auch nicht mehr einzelne Anteile von mir verstecken.

Das bringt uns nun schon in den Bereich jener Tulpenblätter, die ich lange im Dunklen ihr Dasein fristen ließ.

 

Ein zentraler Wunsch von mir war immer, ernst genommen zu werden.

 

Als ich noch in der Politik tätig war, bemühte ich mich doch tatsächlich immer wieder – teils bewusst, teils unbewusst, meine Weiblichkeit nicht allzu sichtbar in den Vordergrund zu rücken, weil ich meinte, dadurch in diesem männlich dominierten Umfeld eher ernst genommen zu werden (Was dies bedeutet für die Würdigung des Weiblichen generell und meine eigene Wert-Anerkennung als Frau ist eine andere Geschichte.).
Heute arbeite ich erfreulicherweise in einem gänzlich anderen Feld.

 

Ein anderes Beispiel:
Meine ausgelassene, komödiantische Ader zeige ich im Wesentlichen bisher nur sehr selten und meist wenigen ausgewählten Personen. Eigentlich eher nur meinem Mann und Kindern. Denn diese wissen das zu schätzen und nehmen mich trotzdem ernst.
Und in Bezug auf diese Seite weiß ich auch noch nicht, ob ich das ändern möchte.

 

Aber es gibt einen anderen, zentralen Tulpenblätterbereich in mir, da ist es mir einfach nicht länger möglich, diesen im Schatten zu belassen.

Einerseits drängt dieser Teil meines Selbst sehr stark ans Licht.

Und andererseits muss ich ihn sichtbar machen, weil ich ohne ihn meine Arbeit nicht in ihrer vollen Brillanz leisten kann.

Gleichzeitig habe ich totales Muffensausen, diese Blätter nach außen zu öffnen.
Meine Angst, mein innerer Widerstand ist, ich könnte dann nicht mehr ernst genommen werden.

 

Da unsere inneren Widerständen unsere größten Wachstumschancen aufzeigen …
und da wir – um größer zu werden und mehr Freiheit zu erreichen – unsere Ängste annehmen und trotzdem handeln müssen …

 

…. hier nun mein Coming Out.
… mein öffentliches Bekenntnis zu mir in meiner vollen Wesenheit.

 

Ja, für mich gibt es weit mehr als das,
was wir sehen,
was wir mit unserem Verstand begreifen und
mit naturwissenschaftlichen Gesetzen erklären können.

Uff, jetzt ist es heraußen.

 

Warum das für mich so schwer ist?

 

Ich bin mit 20 Jahren aus der katholischen Kirche ausgetreten und bezeichnete mich über viele Jahre hinweg als Atheistin. Das Umfeld, in dem ich mich damals bewegte, sah Religion nach Karl Marx als „Opium fürs Volk“. Und auch ich selbst hatte mich der Aufforderung der Aufklärung verschrieben, mich meines Verstandes zu bedienen.

In Wahrheit hatte ich zwar meinen Glauben an das katholische Gottesbild verloren, allerdings war ich auch danach noch immer gläubig: Ich glaubte an das Gute im Menschen und an die Kraft der Vernunft.

Mit der Zeit hat sich für mich allerdings wieder ein Zugang zur Spiritualität ergeben.
Zuerst war diese Tür nur einen Spalt geöffnet. Doch je älter ich wurde, ging dieses Tor immer weiter auf.

Der Beitritt zu einer Religion kommt auch heute für mich nicht infrage. Das liegt daran, dass ich mich in meiner Freiheitsliebe keinem Regelwerk unterwerfen möchte, mir nicht vorschreiben lassen möchte, was ich wie zu glauben habe.

Aber vor allem östliche Traditionen und hier vor allem auch das jahrtausendealte Wissen rund um das Thema Energie haben mich interessiert und sicherlich stark beeinflusst.

Ich habe verschiedenste Ausbildungen im Bereich der Energiearbeit gemacht und arbeite bisher – vor allem für mich selbst – mit diesen Methoden.

Ich habe auch Schritt für Schritt Zugang zu einem intuitiven, mir in der Verbundenheit quasi innewohnenden Wissen bekommen, das ich mit meinem Verstand nicht erklären kann. Und da bin ich sicherlich auch noch nicht am Ende meines Weges.

 

Worum ich mich bis jetzt jedoch tunlichst bemüht habe, war, diesen Aspekt meiner Wesenheit immer nur sehr selektiv, nur sehr vorsichtig zu zeigen. Denn ich hatte extreme Angst, ansonsten in ein esoterisches Eck gestellt, für verrückt erklärt und nicht mehr ernst genommen zu werden.

Das kommt auch nicht von ungefähr. Es gibt im Bereich der Esoterik sicher Dinge, die in meinen Augen in erster Linie Geschäftemacherei sind. Auch halte ich zum Beispiel von den zahlreichen Verschwörungstheorien, die herumschwirren, gar nichts.
Und ich mag mich eigentlich auch nicht etikettieren lassen (- obwohl, ich komme den Zuschreibungen, also den Etiketten, die andere vergeben, so oder so eh nicht aus.)

 

Ginge es nur um mich, so hätte ich ruhig noch so weiter tun können wie bisher.

 

Aber dieser alte Umgang beeinträchtigte meine Arbeit.

 

Denn:

Um meine volle Wirkung in meiner Arbeit entfalten und
mein ganzes Potential leben zu können,
brauche ich alle Anteile von mir.

 

Ich brauche meinen scharfen Verstand, all mein Wissen, mein ganzes Spüren und meinen bodenständigen, pragmatischen Zugang genauso wie meine – in nenne es jetzt der Einfachheit halber – andere Form von Bewusstheit.

 

Ich merkte,

  • dass ich durch das Nicht-Sichtbar-Machen meines Ganzen in meiner Arbeit an Grenzen angelangt bin.
  • dass das Herumeiern, was ich wie beschreiben soll und wem ich was zeige, mich daran hindert, alles, was ich zu geben habe, meinen Kundinnen zur Verfügung zu stellen.
  • dass nur das Sichtbar-Machen und das Einbringen all meiner Seiten ermöglicht, die Frauen, mit welchen ich arbeite, zu ihrem höchsten Wohl zu begleiten.

 

Die vorangegangene Verpuppung war für mich wohl notwendig, um in dieser geschützten Sicherheit etwas in mir sich entwickeln zu lassen.

Aber dieser Kokon ist mir jetzt längst zu klein geworden ist und es ist höchste Zeit, heraus zu kommen und meine Flügel zu entfalten.

 

Indem ich anerkenne und bekenne, was ich alles bin,

habe ich Zugriff zu meiner ganzen Kraft und

kann meine ganze Wirkung entfalten.

 

So erst kann das Licht, welches ich mit auf meinen Weg bekommen habe, wirklich scheinen.

So kann ich Frauen auf ihrem wundervollen Weg in ihre ganze Größe mit mehr spielerischer Leichtigkeit begleiten und Veränderung kraftvoller unterstützen.

 

Und wenn mich jetzt einige für verrückt halten oder nicht ernst nehmen:
Sei´s drum. (Sie haben mich wahrscheinlich auch vorher schon so gesehen.)

 

Ich freue mich über deine Rückmeldung. Vielleicht magst du ja unten einen Kommentar schreiben.

Und ich wünsche dir ein Rund-Um-Du-Sein!
Weil: Du bist gut genug.

Alles Liebe für dich und mit sonnigen Grüßen!

Herzlichst,
deine Elke

 

(Foto von mir: Rudi Ferder, www.derferder.at)

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