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Ich öffne meinen Blog und stelle mit Entsetzen fest, dass mein letzter Beitrag schon über einen Monat alt ist. Da ist es sofort wieder, das Gefühl, nicht gut genug zu sein. „Wen interessiert schon ein Blog, der nicht regelmäßig gefüttert wird? So wird das nichts! Hätte ich mir eh denken können, dass du es nicht schaffst, dran zu bleiben“, raunzt die mittlerweile fast schon liebgewonnene innere Kritikerin in meinem Kopf. Gut, dass ich heute schon viel besser mit ihr umzugehen weiß als früher. „Ja, ich weiß eh, dass es dir darum geht, dass ich meine Sache gut mache. Du willst mich unterstützen, spornst mich  zu guten Leistungen an“, beruhige ich sie, „Dafür bin ich dir auch dankbar. Allerdings hatte ich in den letzten Wochen dermaßen viel um die Ohren, alles auf einmal geht einfach nicht. Und ich will mich jetzt nicht schlecht fühlen, will kein schlechtes Gewissen haben. Das verstehst du doch. Dann wäre meine Stimmung im Keller. Es würde mir dann keinen Spaß machen, zumindest jetzt einen neuen Beitrag zu verfassen.“ Dermaßen von mir anerkannt und wertgeschätzt wird die innere Kritikerin rasch milder und lässt sich so einladen, mit mir zu kooperieren. Damit fahre ich wesentlich besser, als wenn ich versuche, sie zu bekämpfen.

Und es passt sogar recht gut, dass sie sich zu Wort gemeldet hat, denn eigentlich will ich einen Übungstipp zum Thema „Den Fokus auf die eigenen Stärken legen“ und „Das Positive in unserem Leben zu sehen“ hier hinterlassen. 🙂

Hatte ich doch vor kurzem wieder mal so eine Phase, wo die innere Kritikerin den ganzen Tag lang an mir herumgemäkelte: „Sei nicht so faul! Das hast du heute auch schon wieder nicht erledigt. Bei dem anderen Projekt müsstest du ebenso längst weiter sein.“ Wenn ich nicht aufpasse, dann schafft sie es damit glatt, mich in dem Gefühl „Ich bekomme aber auch gar nichts auf die Reihe“ zurückzulassen. Was logisch überlegt ein objektiver Blödsinn angesichts meines Lebensverlaufs  ist. Solche inneren Bilder auf ihre Objektivität hin zu überprüfen und abzuklopfen, ob sie überhaupt stimmen, kann zwar ein erster Schritt sein, um sich selbst emotional wieder aufzurichten. Nur: Der Kopf sagt das eine und der Bauch fühlt oft etwas anderes. Wie also aus dieser destruktiven Gemütslage wieder herauskommen? Wie das Gefühl, nicht gut genug zu sein, los werden. Denn Kritik motiviert nicht. Weder die der anderen und schon gar nicht die eigene. (Möglicherweise gibt sie uns einen kurzfristigen Stoß, etwas zu tun. Aber nachhaltige Motivation kommt wo anders her. Dazu aber ausführlicher einmal später, wenn es passt.)

In der Haltung, nicht zu genügen, geht uns das, was wir tun wollen oder sollen, nur mühsam von der Hand. Die Lösung ist so einfach wie schwer zugleich: Den Scheinwerfer darauf zu richten, worin unsere Stärken liegen und wofür wir dankbar sein können.

Hier eine Übung, die hilft, dieses Scheinwerferlicht einzuschalten:

Nehmen Sie fertige Karten oder schneiden Sie A4-Papier in drei Teile.
Schreiben Sie darauf all das, was Sie an sich selbst und in ihrem Leben wertschätzen: Ihre Kompetenzen, Ihre Fähigkeiten, Ihre Fertigkeiten, Ihre Kenntnisse, Ihre Eigenschaften, …
Halten Sie wirklich alles, worauf Sie stolz und wofür Sie dankbar sind, fest.
Ich vereine bei dieser Übung bewusst die Aspekte der eigenen Stärken mit jenen Dingen, für die ich dankbar bin, weil dies meiner Erfahrung nach eine hilfreiche Kombination ist.
Jeder Punkt ist wichtig genug, um ein eigenes Kärtchen zu bekommen. Manchmal fällt uns am Anfang nur wenig ein, weil wir nicht von klein auf gelernt haben, über unsere Stärken gerne „zu reden“.
Wenn Ihr Schreibfluss nachlässt, bleiben Sie noch eine Weile dabei. Manches fällt uns erst langsam mit der Zeit ein.

Die fertig beschriebenen Karten legen Sie hernach am Boden als Kreis auf.

stärken kreis

Nun betrete Sie – ich mache dies immer ganz feierlich und erhobenen Hauptes 🙂 – diesen Kreis. Stellen Sie sich inmitten Ihrer Stärken. Baden Sie richtiggehend darin!
Wo in Ihrem Körper spüren Sie den Stolz, die Freude, die Dankbarkeit? Was empfinden Sie noch, wenn Sie sich all das, was Sie ausmacht, wofür Sie dankbar sind, in all dieser Fülle vor und um sich sehen?

Um diese Körperempfindungen ausführlich spüren zu können – und diese sodann „abgespeichert“ mitnehmen zu können für den Wiedereintritt in Ihren Alltag, dafür ist es eben notwendig, nicht nur eine Liste zu erstellen sondern wirklich Karten zu schreiben.

Manchmal setze ich mich dann auch noch eine gewisse Zeit in diesem Kreis auf den Boden und genieße einfach nur das Gefühl – im Wissen, dass mir all das, was ich hier sehe, immer zur Verfügung steht, ich darauf stets darauf zurückgreifen kann.

Wenn Sie Ihre Stärken und Ihre Dankbarkeit so richtig in sich aufgesogen haben, dann können Sie den Kreis wieder verlassen. Sammeln Sie die Karten – also Ihren ganz persönlichen Schatz – auf und überlegen Sie, wo Sie diesen Schatz aufbewahren wollen.
Meine Karten sind in einem Kuvert vereint, welches ich bei meinem Schreibtisch gut sichtbar aufgestellt habe, sodass ich immer wieder daran erinnert werde. Sie können sich auch ein Symbol zeichnen oder einen anderen Gegenstand auswählen, der Sie – gut platziert – regelmäßig an Ihre Stärken und an das, wofür Sie dankbar sind erinnert.

Ich wünsche Ihnen ein wunderbares Bad in Ihren Stärken und Dankbarkeiten!
Wenn Sie Anregungen oder Fragen zur Methode bzw. zum Thema haben: Ich freue mich über Ihren Kommentar!

mein schatz

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