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Herzlich Willkommen zu Tag 17!  Lebst du deine eigene Sexualität?

 

 

Als ich beschlossen hatte diesen Adventkalender zu schreiben, machte ich mir Notizen und schrieb Stichworte nieder, auf welche Themen ich in diesen 24 Tagen eingehen möchte. Da stand das Wort Sexualität bereits auf der Liste.

Ich startete am 1. Dezember ohne einen konkreten Plan, was wann drankommen würde, sondern ich ließ mich auf den Prozess ein. Im Tun, im Schreiben eines Beitrags wurde mir dann meist recht schnell klar, was das Thema für den nächsten Tag sein sollte. Der Weg entstand im Gehen.

Gestern habe ich über unsere Verletzlichkeit und unsere Angst davor geschrieben. Da wusste ich bereits, dass es heute um dieses Thema gehen müsste. Denn Verletzlichkeit zu behandeln und dann Sexualität auszuklammern – also genau jenen Bereich, in dem wir am verletzlichsten sind – erschien mir als zu oberflächlich.

Und trotzdem ringe ich seit gestern mit mir, ob ich darüber wirklich schreiben soll. Ich kam mir schon fast vor wie das Stoßmich-Ziehdich aus Dr. Dolittle. Vor- und zurück. Ja, sicher. Nein, lieber doch nicht.

Heute in der Früh habe ich fast zwei Stunden herumgenudelt. Habe mich an den Computer gesetzt.
Ach, ich schreib ein unverfänglicheres Thema.
Geh bitte, das wäre total verlogen.
Aber, ich will nicht …
Du weißt, dass das Thema in Wirklichkeit jetzt dran ist.
Ja, schon. Aber was werden sich die anderen denken?
Ist das dein Maßstab?
Nein, aber ich bin keine Expertin dafür!
Schreib einfach mal, und dann kannst du noch immer entscheiden, ob du es wirklich veröffentlichst.

Ganz großes Kino mit meinem inneren Dialog. Da könnte ich fast Eintrittskarten dafür verlangen.

Dann griffen auch noch andere Ich-Anteile ein. Nicht, dass sie sich in die Diskussion eingemischt hätten, sondern indem sie mich zu ganz wichtigen Dingen verleiteten, die es alle statt zu schreiben zu tun galt. Die Kontoauszüge anschauen. Nur noch schnell die Wäsche in die Waschmaschine befördern. Und wie von unsichtbarer Hand geführt landete ich später auch noch  im Internet und musste unbedingt ein paar süße Videos anschauen. Vermeidungsgöttin, schau runter! ;-0

 

Es geht es also um unsere Sexualität.

Deshalb tue ich mir auch so schwer, hier darüber zu schreiben. Weil auch meine Verletzlichkeit hier am größten ist. Und weil ich keine „Expertin“ für das Thema bin. Ich bin weder Sexualberaterin, noch Sexualpädagogin und schon gar keine Sexualtherapeutin.

Ich bin einfach eine Frau, die mit dem konfrontiert war und ist, was auch viele andere Frauen beschäftigt.

 

Es gibt in so gut wie allen Lebensfeldern gesellschaftliche Bilder, wie Frauen angeblich zu sein hätten, zu leben und zu lieben hätten. Aber dennoch: In allen anderen Bereichen – egal, ob es um unser berufliches Leben, um Familie oder um Partnerschaft geht – gibt es meist mehrere Lebensentwürfe, die uns als „Vorbilder“ zur Verfügung stehen oder als Orientierung dienen können.

Aber im Bereich der Sexualität kommt es mir vor, dass noch wesentlich mehr gesellschaftliche Normung passiert. Ich meine damit jetzt nicht unterschiedliche Techniken oder verschiedene sexuelle Vorlieben. Sondern ich glaube, dass es für Frauen in Bezug auf ihre Sexualität extrem schwierig ist, das IHRE zu finden. Den für sie passenden Weg zu gehen. Ihre eigene Sexualität in ihrem vollen Potential zu leben. (Eventuell stellt sich diese Herausforderung für Männer ebenso, aber da kenne ich mich nicht aus. Das müssen sie für sich selbst beantworten.)
Denn für diesen Weg des „Sich auf sich und die eigene Sexualität Einlassens“ stehen uns in den Filmen, Zeitschriften und in den meisten Büchern keine umfassenden Anleitungen zur Verfügung.

 

In keinem Bereich sonst wird so viel gelogen, verheimlicht, verdrängt, gedealt, vorgespielt, … wie in der Sexualität.
In keinem Bereich sonst ist die Verunsicherung oft so groß, weil Aussagen und Bilder uns vermitteln, wie es angeblich sein sollte. Wie wir und unser Körper vermeintlich zu funktionieren hätten. Wann, wie oft,  wie, in welcher Intensität, mit welchem Erleben, mit welchem Ziel … wir „es“ zu tun hätten. Was alles ausprobiert werden sollte. Was alles dazu gehören würde.
In keinem Bereich sonst wird daher der (Leistungs-)Druck ganz schnell mal so groß.
In keinem Bereich sonst haben Frauen von klein auf gelernt, (in erster Linie?) mit den Augen der Männer darauf zu schauen.
In keinem Bereich sonst trifft uns die Angst vor unserer Verletzlichkeit so schmerzlich, denn wir könnten nicht gut genug, nicht attraktiv genug, nicht liebenswert genug sein.

Dies alles macht es oftmals so schwer, zu diesem Teil unseres innersten Kernes vorzudringen.
Unsere eigene Sexualität scheint häufig tief verschüttet zu sein – unter all diesen Bildern und vermeintlichen Vorgaben, die uns im Kopf herumschwirren.
Um zu unserer eigenen Sexualität vordringen zu können, müssen wir ziemlich tief graben.

Es gilt all die Bilder und vermittelten Vorstellungen wegzuräumen. Sie einfach loszulassen.
Es gilt zu lernen, den eigenen Gefühlen und dem eigenen Körper zu vertrauen.
Es gilt, sich zu öffnen und dadurch verletzbar zu werden. Um in die Tiefe zu gelangen und nicht an der Oberfläche stehenzubleiben.

 

Das kann manchmal ganz schön anstrengend sein.
Das kann manchmal noch stärker verunsichern, weil das Neue oft noch gar nicht klar ist, und wir das Alte aber bereits hinter uns lassen möchten.
Das kann manchmal ziemlich weh tun, weil alte Wunden aufreißen.

Aber es lohnt sich.
Allemal.

Denn, was uns erwartet, ist eine tiefe Verbundenheit. Mit uns selbst und mit dem Gegenüber.
Was uns erwartet ist das Gefühl, in unserer Ganzheit lebendig zu sein. Das Gefühl, angekommen und angenommen zu sein.
Uns erwartet eine Lebensquelle.

Auf diesen Weg kann sich jede von uns begeben. Davon bin ich überzeugt. Dazu brauchst du weder ein spezielles Talent, noch eine besondere Begabung.
Das, was es dazu braucht, ist die Bereitschaft, sich selbst auch in Bezug auf die eigene Sexualität eine gute Freundin zu sein – indem du dich und dein Erleben für wichtig nimmst. Indem du auf dich und dein Erleben achtest. Du musst niemand anderem entsprechen.
Und du brauchst Zeit, Geduld und (Selbst-)Mitgefühl.

 

Wie gesagt, ich bin keine Beraterin für Sexualfragen. Das, was ich dir da lassen kann, sind ein paar persönliche Erfahrungswerte bzw. Tipps:

Weniger tun, mehr sein.
Als Jugendliche dachte ich doch glatt, die Kenntnis von gewissen Techniken oder Praktiken würde eine gute Liebhaberin / einen guten Liebhaber ausmachen.
Heute weiß ich, es geht viel mehr um Präsenz, um bewusstes Wahrnehmen, ums Spüren.
Ich meinte damals, es ginge mitunter darum, besonders aktiv zu sein.
Heute weiß ich, es hilft im Gegenteil oft, weniger zu tun und dafür mehr zu sein. Da sein. In sich sein. Geschehen lassen.

Weniger Kopf, mehr Körper und Herz.
Als junge Erwachsene glaubte ich, Sexualität spiele sich zu einem gewissen Teil im Kopf ab. Das hatte ich auch in diversen Ratgebern gelesen. Dort findest du Sätze wie „Das größte Sexualorgan des Menschen ist sein Kopf.“
Heute weiß ich, dass Phantasien zwar Zugang zu einer körperlichen Lust ermöglichen, dass sie dabei allerdings eine Umleitungsstraße nehmen und so das Herz außen vor bleibt. Wenn mein Herz aber nicht beteiligt ist, dann bleibt ein Teil von mir verschlossen. Dann ist keine völlige Hingabe möglich.

Vertrauen als Voraussetzung für die Öffnung.
Als Studentin dachte ich, es sei ein Zeichen meiner Emanzipation, wenn ich lerne, Sex von Liebe zu trennen.
Ich brauche allerdings Vertrauen als Basis, um mich vollständig öffnen zu können. Daher halte ich es lieber mit Charlie Chaplin, der sagte: „Dein nackter Körper soll nur denen gehören, die auch deine nackte Seele lieben.“

Mit der weiblichen Basis verbinden.
Die Verbindung mit meiner weiblichen Basis zu stärken und mich in meinem Becken zu verankern, dabei hat mir einerseits Meditation, andererseits das Tanzen geholfen. Hierbei vor allem auch die Körperübungen und der Ägyptische Tanz bei Astrid Pinter.

Die Brust öffnet das Tor.
Von Diana Richardson habe ich gelernt, dass für Frauen „der Zugang zur sexuellen Quelle und Vitalität“ über ihre Brüste führt. Das war zunächst durchaus verwirrend für mich und gar nicht so einfach nachvollziehbar.
Die Bücher von Diana Richardson (z.B. „Zeit für Weiblichkeit“, „Zeit für Zärtlichkeit“ oder „Slow Sex“) haben mir neue Sichtweisen eröffnet und mich angeleitet, meine Wahrnehmung zu schulen.
Wenn du dir eher schwer tust mit einem spirituellen Zugang, oder aber ein „Einstiegsbuch“ mit vielen praktischen Hinweisen suchst, dann würde ich dir eher das kürzlich erschienene Buch „Soul Sex“ von Eva-Maria Zurhorst empfehlen.

 

So, das war jetzt ja gar nicht so schwer, darüber zu schreiben. Aber ich bin ja auch nicht all zu sehr in die Tiefe gegangen. 😉
Ich hoffe, das Warten auf diesen Adventkalenderbeitrag bis am Abend hat sich dennoch für dich gelohnt. Danke dir auf alle Fälle für deine Geduld!

Ich freue mich, wenn du mir deine Meinung schreibst. Entweder unten als Kommentar oder via Mail an elke.edlinger@gfgi.at

Lebe deine eigene Sexualität.
Du verdienst es.

Ich wünsche dir alles erdenklich Gute für deinen Weg!

PS:
Hier noch die Links zu den anderen Adventkalender-Türchen: Tag 1, Tag 2, Tag 3,
Tag 4, Tag 5, Tag 6, Tag 7, Tag 8, Tag 9, Tag 10Tag 11, Tag 12, Tag 13, Tag 14,
Tag 15, Tag 16

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