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Herzlich Willkommen zu Tag 16! Heute frage ich dich: Hast du Angst vor deiner Verletzlichkeit?

 

(Fürs Lesen dieses Artikels brauchst du rund fünf Minuten.)

 

Eines meiner absoluten Lieblingszitate ist folgender Satz von Brené Brown:

„Verletzlichkeit ist das Letzte, was der andere bei mir zu Gesicht bekommen soll, aber das Erste, wonach ich im anderen Ausschau halte.“

 

(aus ihrem Buch „Verletzlichkeit macht stark“, Verlag Kailash, 2013, S. 139)

 

Ich schreibe diesen Blog. Dadurch mache ich mich verletzbar. Weil ich durch diese Seiten sichtbar werde. Ich erzähle von meinen Erfahrungen, von meinem Scheitern, von meinem Ringen. Ich gebe Privates von mir Preis. Ich mache meine Gedanken lesbar. Ich zeige mich.
Ich mache mich angreifbar durch diese Zeilen, weil andere mich dafür kritisieren könnten. Dass die Inhalte, dich ich bringe, nicht gut genug wären. Dass mein Schreibstil zu wenig professionell sei. Dass mir Rechtschreibfehler unterlaufen. Was auch immer …

Ja, da draußen in der großen weiten Welt wird es ganz viele Menschen geben, die mit meinem Geschreibsel überhaupt nichts anzufangen wissen, es nicht für wichtig erachten, es möglicherweise belächeln …

Und trotzdem schreibe ich. Weil es mir wichtig ist. Weil ich es als sinnvoll erlebe. Weil es mich erfüllt. Weil es eine weitere Möglichkeit für mich ist, aus vollem Herzen zu leben.

Wir versuchen oft, unsere Verletzlichkeit vor anderen zu verbergen. Setzen uns verschiedenste Masken auf, die uns schützen sollen, damit die anderen unsere Verletzlichkeit nicht sehen.

Ich könnte über all die Themen hier auf einer theoretischen Ebene schreiben. Oder nur Beispiele von anderen Frauen bringen. Mich als Person und meine persönlichen Erfahrungen draußen halten. Aber dann wäre mein Blog nicht authentisch. Dann hätte ich eine Maske auf. Und du könntest meine Verletzlichkeit nicht sehen. Diese suchst du aber. Weil meine Verletzlichkeit dir zeigt, dass ich menschlich bin. Unvollkommen wie alle Menschen. Das verbindet.

Manchmal bemühen wir uns, unsere Verletzlichkeit sogar vor uns selbst zu verdecken. Indem wir uns gar nicht eingestehen, dass uns etwas in einer bestimmten Situation schmerzt.

Ich habe einmal auf ein Video, das ich für diesen Blog gemacht habe, eine ziemlich vernichtende Kritik rückgemeldet bekommen. Ich gebe es zu, meine erste Reaktion war: „Was will denn die dumme Pute. Soll sie doch selbst zeigen, dass sie es besser kann. Hat selbst noch nichts veröffentlicht und glaubt, sie weiß, wie es geht …“
Ich war verletzt. Ich fühlte Scham. Sie hätte ja auch Recht haben können mit ihrer Kritik.
Doch zunächst habe ich mir nicht eingestehen können, dass ich mich verletzt fühlte. Sondern ich versuchte es zu verdecken, indem ich sofort in den Gegenangriff ging.

Die nächste Welle war Marke „Da steh ich drüber“. Ist mir doch egal, was sie meint …
Auch dies ein Versuch, mich nicht mit meiner Verletzlichkeit auseinandersetzen zu müssen. (Diese Reaktion könnten wir durchaus mit dem „Totstellen“ vergleichen.)

Im dritten Schritt bin ich geflohen. Ich habe dass weitere Video nicht veröffentlicht.

Erst, als ich mir eingestanden habe, dass diese Rückmeldung mir jetzt weh tut, konnte ich mir selbst eine gute Freundin sein. Konnte ich mich fragen, was mir in diesem Moment helfen würde. Konnte ich mich trösten. Und erst danach kann ich – trotz erlebter Kritik – gut weitermachen.

 

Unsere Angst davor, verletzt werden zu können, hält uns nämlich ganz oft gefangen im Bisherigen, im Alten. Verhindert, dass wir wachsen können, dass wir weiter gehen. Dass wir uns ausprobieren. Dass wir uns hingeben. Kurzum:

 

Unsere Angst vor unserer Verletzlichkeit hält uns davon ab, ein Leben aus vollem Herzen zu führen.

 

Die Angst vor der eigenen Verletzlichkeit ist, denke ich, völlig normal. Naturgegeben. Die haben wir alle. Der Mensch ist so „gebaut“, dass er Schmerzen vermeiden will. Dies hat im Laufe der Entwicklungsgeschichte einen recht brauchbaren Beitrag geleistet, damit die Menschheit überhaupt überlebt hat. Weil wir eben darauf gepolt wurden, „gefährliche“ Situationen – also jene, in denen wir verletzt werden könnten – tunlichst zu vermeiden

Es  bringt daher wenig, gegen diese Angst kämpfen zu wollen.
Sie wird nicht kleiner, wenn wir sie bekämpfen.

 

Sondern es geht darum, die Angst zu akzeptieren und das, was uns verletzbar macht, TROTZDEM ZU TUN.

 

Erst durch dieses Tun, durch die Schritte, die wir gehen, wird unsere Angst später kleiner. Weil wir bei jedem Schritt, den wir hinter uns haben, merken, dass entweder gar nichts Schlimmes passiert ist oder aber, wenn wir uns doch weh getan haben: Das wir auch das überlebt haben.

Wenn wir allerdings aufgrund vorauseilender Angst vor unserer Verletzlichkeit stehen bleiben, so schneiden wir uns von ganz vielen schönen Seiten des Lebens und von einem Teil unseres Potentials ab.

Klar, hin und wieder kann es nach so einem Sich-Einlassen, nach einem Schritt, den du gegangen bist, dann wirklich wehtun.
Aber, nachdem du dir ja selbst bereits eine bessere Freundin bist,
* nimmst du überhaupt wahr, dass das jetzt eine Situation ist, die dich schmerzt.
* erinnerst du dich daran, dass Leiden zutiefst menschlich ist.
* fragst du dich, was du in diesem Moment des Leidens brauchst. (Du nimmst dich dann zum Beispiel in den Arm und tröstest dich.)

 

Wobei hält dich deine Angst vor deiner Verletzlichkeit bisher auf?
Wovon hält sich dich bisher ab?

 

Mit diesem Adventkalendertürchen möchte ich dich ermutigen, dich auf deine Verletzlichkeit einzulassen.
Damit du dich nicht begrenzt und einschränkst.

Denn deine Verletzlichkeit zu akzeptieren als etwas zutiefst Menschliches, macht dein Leben breiter, bunter, offener und tiefer.
Deine Verletzlichkeit verbindet dich besser mit dir selbst und mit den anderen Menschen.
Deine Verletzlichkeit ist es, die dir hilft, deine Flügel zu entfalten, dein ganzes Potential auszuschöpfen und aus vollem Herzen zu leben.
Nicht irgendeine Maske, sondern deine Verletzlichkeit macht dich stark.

Daher:

Achte deine Verletzlichkeit als eine wertvolles Gabe!
Du verdienst es.

 

Ich freue mich, wenn du gleich unten auf dieser Seite einen Kommentar schreibst und mir eine Rückmeldung zukommen lässt!
Und ich freue mich auch, wenn du diesen Beitrag mit deinen Freundinnen teilst. Danke dir dafür!

Ich wünsche dir einen Tag, an dem du deine Verletzlichkeit feiern kannst!

PS:
Hier noch die Links zu den anderen Adventkalender-Türchen: Tag 1, Tag 2, Tag 3,
Tag 4, Tag 5, Tag 6, Tag 7, Tag 8, Tag 9, Tag 10Tag 11, Tag 12, Tag 13, Tag 14,
Tag 15

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