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Das, was du weißt, ist nichts Besonderes?  Andere haben mehr dazu zu sagen? Wenn du so schon mal gedacht hast: Willkommen im Club! Sechs Tipps, wie du lernst deinem Wissen zu vertrauen.

Eine Spielwiese jener Angst, nicht gut genug zu sein, breitet sich in der Befürchtung aus, nicht genug zu wissen. Nicht genug zu einem Thema zu sagen zu haben, …
… um in einer Gruppe mitreden zu können.
… um eigene Vorschläge und Ideen einzubringen.
… um ein bestimmtes Projekt angehen zu können
… um eine bestimmte Dienstleistung anzubieten.
… um vieles mehr.
(Vielleicht fallen dir noch weitere Beispiele ein. :-))

Ein stummes, unsichtbares Mäuschen …

Ich erinnere mich gut. Als ich als junge Frau begann, mich – damals in meinem früheren Leben – politisch zu engagieren, da bin ich in diversen Besprechungen gesessen, voller Ehrfurcht, weil alle anderen so viel zu wissen schienen. Ein stummes Mäuschen war ich. Denn alles, was ich mir (bisher) zu den einzelnen Fragen gedacht hatte, erschien mir zu banal, um es den anderen, also jenen, die ja so viel Wissen mit sich herum- und vortragen, zu erzählen. Zu groß war die Angst, sich zu blamieren. Was passiert, wenn ich einen Blödsinn gesagt hätte …

Doch, was ist das Ergebnis einer solchen Einschätzung? Wozu führen solche innere Glaubenssätze? Ich war nicht hörbar und somit auch nicht sichtbar. Ich wurde nicht wirklich wahrgenommen.

Damals, als Zwanzigjährige, war meine erste Reaktion die, dass ich mich zunächst wieder zurückgezogen habe und angefangen habe, die Sitzungen zu schwänzen. Mein Leben wäre wahrscheinlich gänzlich anders verlaufen, wenn da nicht jemand gewesen wäre, der dann aktiv versucht hat, mich einzubinden. (Ganz nebenbei: Diesen „Jemand“ habe ich dann ein Jahrzehnt später geheiratet. ;-))

Vertrauen in mein Wissen und meine Erfahrungen

In dem fast Vierteljahrhundert, das seither vergangen ist, habe ich eine riesige Portion Vertrauen gewonnen. Nein, nicht gewonnen wie einen Lottogewinn. Ich habe es mir erarbeitet, habe mich entwickelt. Vertrauen darauf, dass mein Wissen und meine Erfahrungen durchaus zählen (abgesehen davon, dass ich über die Jahre hinweg noch mehr davon angehäuft habe). Und dennoch holt mich auch heute dieser Zweifel, ob das, was ich mir denke, wichtig genug ist, immer wieder mal ein. Zum Beispiel vor dem Schreiben eines neuen Blog-Beitrags. Oder, wenn ich darüber nachdenke, welche neuen Workshops ich anbieten könnte. Einer meiner favorisierten Gedanken dabei ist: „Müsste ich nicht noch mindestens 27 Bücher lesen, bevor ich fundiert etwas zu diesem Thema sagen kann?“ Dementsprechend schaut es auch bei uns zuhause aus. Bücher wohin man blickt. ;-0

Young student in a library

 

Wo kommen unsere Ängste her?

Wo solche inneren Einstellungen uns selbst gegenüber herkommen, kann sehr unterschiedlich sein. Eine Freundin von mir litt von klein an unter der Grundannahme, dass sie in Wirklichkeit dumm sei. Sie hat zwar ein Studium abgeschlossen und seither verschiedene berufliche Stationen erfolgreich gemeistert. Sie bekommt Wertschätzung für Ihr Wissen und Ihr Tun. Doch die positiven Rückmeldungen und ihre Erfolge konnten eine tief in ihr schlummernde Befürchtung nicht gänzlich ausmerzen: Nämlich, dass irgendwann eine Situation eintritt, in der die anderen „endlich“ draufkommen werden, dass sie dumm sei.
Ich im Gegenzug hatte nie die Befürchtung, dumm zu sein. Ich wurde bereits als Kind von meinem familiären und schulischen Umfeld darin bestärkt, dass ich gescheit sei, dass ich so viel wissen würde. Und es war zu einem großen Teil das Wissend-Sein, über das ich mir Aufmerksamkeit, Anerkennung und letztlich die positive Bestätigung meines Selbstwertes geholt habe.

(Schon sehr seltsam. Just in dem Moment, wo ich diese Zeilen schreibe, bekomme ich ein Mail von jener Freundin, die ich oben beschrieben habe. Und sie schreibt darin unter anderem, dass sie irgendwie immer Angst habe, dass sie nicht gut genug war oder ist … :-0)

 

Ich habe für mich Wege gefunden, mit diesem Nagetier in mir umzugehen. Ich bemühe mich, es in seine Schranken zu weisen:

 

Sechs Tipps, wie das – zumindest bei mir – funktioniert, lass ich dir da:

 

1.) Ich wertschätze das, was dieser Selbstzweifel für mich tut: Er spornt mich an, immer weiter zu lernen, Neues zu entdecken, mein Wissen zu ergänzen und zu vertiefen. Er hält meine fast kindliche Neugier am Leben, diese Welt und uns Menschen zu durchdringen. Zu erkennen, wie die Erde funktioniert und wie wir Menschen ticken. Und er hält mich davon ab, zu „schludern“ (Ist das ein österreichisches Wort, oder verstehen dies auch deutsche Leserinnen?) – sprich, schnell-schnell und oberflächlich zu arbeiten. Er verhindert, dass ich zur Dampfplauderin werde.

 

2.) Ich führe mir vor Augen: Sobald wir etwas gelernt und somit internalisiert haben, ist dies für uns völlig normal. Wenn ich heute ein Auto fahre, ist dies für mich keine Herausforderung sondern banal. Dennoch gibt es viele Menschen auf dieser Welt, für die das Wissen, wie man ein Auto fährt, neu ist und welchen geholfen ist, wenn andere es ihnen erklären. (Alle Umweltschützerinnen unter meinen Leserinnen mögen mir dieses Beispiel verzeihen. 😉 )

 

3.) Verabschiede dich von dem Anspruch, dass du irgendwann einmal über ein Thema alles wissen kannst. Das ist definitiv nicht möglich. Also bringt es auch nichts zuzuwarten, bis frau alles weiß. Klar ist, würde ich diesen Blog-Beitrag erst in ein paar Monaten schreiben, so fiele er mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit anders aus. Er wäre inhaltlich fundierter, weil ich in der Zwischenzeit wieder ein Stück weit dazugelernt habe. Aber er wäre auch dann nicht „fertig“ im dem Sinne, dass alles, was dazu gesagt werden kann, gesagt würde.

 

4.) Für wen willst du wirken? Ich weise heute meine völlig hypertrophen Ansprüche an mich selbst in die Schranken. Es geht nicht darum, allen Menschen auf dieser Erde etwas Neues, Hilfreiches zu erzählen. Wenn auch nur eine Leserin dieses Beitrags sich für das eigene Leben etwas mitnehmen kann, entlastende Gedanken oder einen hilfreichen Tipp findet, dann hat es sich schon gelohnt. Und es wäre ziemlich gemein von mir, ihr diese Hilfe vorzuenthalten, indem ich mein Wissen nicht äußere.

 

5.) Erlaube dir, Zeit und Raum (der anderen) einzunehmen. Erlaube dir, hör- und sichtbar zu werden mit deinen Gedanken, deinem Wissen, deinen Erfahrungen, deinen Ideen. So wie du auch gerne anderen zuhörst, um von ihren Gedanken, Erfahrungen, ihrem Wissen und ihren Ideen zu lernen. Es braucht eine bewusste Entscheidung von dir, dir diese Zeit und diesen Raum zu erlauben. Weil du und das, was du zu sagen hast, wichtig bist! Genauso wichtig wie jede und jeder andere auch.

 

6.) Sage täglich mindestens einmal: „Das weiß ich nicht.“ Ich übe mich so oft es geht darin, dies zu sagen. Und je öfter ich es tue, umso mehr verfestigt sich in meinem Gehirn, dass überhaupt nichts passiert, wenn ich etwas nicht weiß. Meine Teilnehmerinnen in meinen Workshops hören das immer wieder mal von mir und noch viel mehr: „Da müsste ich erst nachlesen.“, „Mit dieser Frage habe ich mich noch nicht beschäftigt.“ Und meine positive Erfahrung damit ist, dass dies die Wahrnehmung meiner Kompetenz nicht schmälert. Was nicht wundert, denn auch ich erwarte von niemandem, das er oder sie alles weiß.

 

Schließen möchte ich heute mit jenen Zeilen, die ich gerade vorhin meiner Freundin als Antwort gemailt habe. Weil ich auch euch mitgeben möchte:

Gerade unsere Unvollkommenheit ist es, die uns mit anderen Menschen verbindet.
Weil es zutiefst menschlich ist, nicht vollkommen zu sein.
Es geht nicht darum, dass wir die Besten sind, sondern einzig darum, unser Bestes zu geben.
Darum bemühen wir uns eh. In all unserer Unzulänglichkeit. Und mit all dem, was uns im jeweiligen Moment möglich ist.
DU BIST GUT GENUG!

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Ich freue mich sehr, wenn du mir deine Erfahrungen, deine Tipps oder andere Rückmeldungen zukommen lässt. Entweder gleich unten bei den Kommentaren oder via e-mail an elke.edlinger@gfgi.at

Alles Liebe und sonnige Grüße euch Wissenden! 🙂
Herzlichst,

elke

 

 

Quelle Foto: Fotolia

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