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Der Großteil unseres Verhaltens läuft nach einmal gebildeten Gewohnheiten ab. Das macht auch Sinn so. Unser Gehirn muss sich nicht sonderlich anstrengen, wenn wir die Zähne putzen, uns anziehen oder uns die Schuhe zubinden.

Fürs Heimkommen haben wir meist Routinen entwickelt (Aufsperren, Schlüssel ablegen, Schuhe ausziehen, Jacke aufhängen, wenn vorhanden, die Liebsten begrüßen, …), ebenso wie für den morgendlichen Gang aus dem Haus. Das heißt, wir müssen nur wenig Energie verbrauchen und nicht umständlich nachdenken, in welcher Reihenfolge wir was wie tun.

Einmal – auch schwierige Abläufe – eingeübt und oft genug gemacht, fällt uns das so Erlernte nicht mehr schwer, und wir machen es scheinbar wie nebenbei. Das beste Beispiel dafür ist wohl das Autofahren. Nur, wenn irgendein ungewöhnliches Ereignis die Routineabläufe plötzlich unterbricht, fährt unser Gehirn seine Aktivität sofort wieder hoch.

Um uns das Leben leichter zu machen, haben wir für so gut wie fast alles Gewohnheitsabläufe entwickelt. Beim Einkaufen drehen wir im Stammgeschäft oft automatisch die gleiche Runde, greifen wir meist zu den selben Produkten. Wir bestellen im Restaurant oder beim Pizzadienst häufig das gleiche, weil es uns die Arbeit der Entscheidungsfindung erspart. Ich würde jetzt mal wagen zu behaupten, dass auch das Ausleben der Sexualität nicht vor Routinebildungen bewahrt ist.

So bauen wir in unserem Gehirn für jede noch so kleine Gewohnheit  starke Verbindungen zwischen den Nervenzellen auf. Und wenn es darum geht, dass wir das nächste Mal in die gleiche Situation kommen, nimmt die Informationsverarbeitung in unserem Oberstübchen bevorzugt diesen Weg – ohne unser aktives, verstandesbezogenes Zutun.

Nicht nur unser Verhalten, sondern auch das, was wir über uns (und über andere) denken, wird zum überwiegenden Teil durch unsere Gewohnheiten bestimmt.

Manche nutzen die Macht der Gewohnheiten mit bewusster Absicht: In Organisationen (z.B. beim Militär) werden Routineabläufe intensiv trainiert, um (vor allem auch in Gefahrensituationen) rasches und richtiges Reagieren möglich zu machen und zu verhindern, dass dann einzelne erst langwierig zu überlegen beginnen, was sie jetzt wie tun sollen. In Unternehmen werden Routineabläufe festgelegt und von den Beschäftigten (hoffentlich) internalisiert, um effizientes und qualitativ zufriedenstellendes Arbeiten zu unterstützen.

Gewohnheiten und Routinen sind also grundsätzlich eine feine Sache, die unseren Alltag erleichtern, möglichst „fehlerfreie“ Abläufe ermöglichen und unserem Gehirn generell Aufwand und Energieverbrauch sparen.

Der überwiegende Teil der Gewohnheitsbildung – von jeder/jedem einzelnen oder in Organisationen, in jedem Unternehmen – findet jedoch unbewusst statt.  Probleme treten allerdings dann auf, wenn diese – eben nicht durch bewusstes Nachdenken – gebildeten Gewohnheiten wenig förderlich sind oder sogar einer bestimmten Zielerreichung im Wege stehen.

Die Herausforderungen dabei sind vor allem zwei:
1.) Etwas Hinderliches überhaupt erst mal als Gewohnheitsablauf zu entlarven.
2.) Hinderliche Gewohnheiten zu verändern.

Wir alle kennen die Schwierigkeiten, die uns ein Abgehen von bisherigen Routinen bereitet. Egal, ob es sich um geplante Änderungen im Bereich unseres Ernährungs-, Bewegungs-, oder Beziehungsverhaltens handelt. Egal, ob es um die simple Tatsache geht, mehr Wasser zu trinken oder um die große Frage, wie wir besser auf unsere eigenen Bedürfnisse achten können.

In meinen Trainings und Coachings ist dies meist der wichtigste Aspekt: Was kann man tun, um nachhaltige Verhaltensänderungen so auf Schiene zu bringen, dass man alte Verhaltensmuster auch wirklich hinter sich lässt?
Und auch in meiner Arbeit mit Teams ist dies ebenso oft eine zentrale Aufgabe.
Die Beschäftigung mit diesen Fragen ist für mich einfach faszinierend. Denn sie ermöglicht so viel an Erkenntnisgewinn und eröffnet neue Handlungsmöglichkeiten.

Daher eine erste kleine Anregung für dich:
Übe deine Analysefähigkeit, um Gewohnheiten und Routinen überhaupt erst zu entdecken. Dies geht nur, wenn du dich zunächst ganz einfach darum bemühst, aufmerksam und achtsam zu sein. Was alles läuft bei dir, in deinem privaten oder beruflichen Umfeld nach Gewohnheitsmustern ab?

Ich freue mich über deine Rückmeldungen und wünsche dir viel Spaß beim Entdecken deiner Routineabläufe!
Herzlichst,
deine Elke Edlinger

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Foto: © Gajus – Fotolia.com

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