Vor fünf Jahren katapultierte es mich – quasi über Nacht – aus meinem alten Job und ich bin in einer veritablen Krise aufgewacht. Seither habe ich mich intensiv damit beschäftigt, was Menschen brauchen, um schwierige Situationen leichter zu meistern. Fünf wichtige Punkte, die dir helfen können, findest du in diesem Beitrag.

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Krisen kennen wir alle.  Es gibt wahrscheinlich kein Leben ohne Krisen.
Schwierige Situationen größerer und kleinerer Natur. Herausfordernde Phasen unterschiedlicher Dauer und Intensität.
Krisen haben im Regelfall mit Veränderungen zu tun. Ungewollten.

Die Wortherkunft an sich bezeichnet eine „entscheidende Wendung“. Krisen sind oft Wendepunkte im Leben, mit Entscheidungen verknüpft.
Und sie eröffnen uns leider meist erst im Nachhinein, was wir daraus an Positivem für die Zukunft mitnehmen können.
Schon Sören Kierkegaard, dänischer Philosoph in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, sagte: „Das Leben kann nur in der Schau nach rückwärts verstanden, aber nur in der Schau nach vorwärts gelebt werden.“

Wir wissen schon allein aus unseren Alltagsbeobachtungen, dass Menschen unterschiedlich gut mit krisenhaften Situationen umgehen können. Die einen rappeln sich schneller wieder auf, während andere viel länger an einer Krise knabbern oder gar nicht mehr hochzukommen scheinen. Die psychologische Forschung befasst sich seit einigen Jahrzehnten damit, warum das so ist, und versucht herauszufinden, was einerseits hilft, resistenter gegen Krisen zu sein und andererseits – wenn das schwarze Loch, in das man fällt, unvermeidbar war – was Menschen unterstützt, da schneller wieder rauskommen.

Ich fasse hier mal für dich aus meinen eigenen Erfahrungen und aus all dem, was ich gelesen habe, fünf wichtige Punkte zusammen, was dir helfen kann, krisenhafte Situationen besser zu meistern:

1. Gefühle zulassen.

Manche versuchen, negative Gefühle wegzudrücken, nicht zuzulassen. Weil wir sie nicht wahrhaben wollen. Weil wir nicht hinschauen wollen. Weil wir stark sein wollen. Weil …
Das ist eine wenig hilfreiche Strategie. Denn die negativen Emotionen gehen dadurch nicht weg. Sie krabbeln uns hinterher wie kleine Kinder und holen uns immer wieder ein. Letztlich verlängern wir durch Vermeidungsversuche die Dauer der unangenehmen Gefühle.

Ja, du darfst traurig sein. Ja, du darfst wütend sein. Ja, du darfst verzweifelt sein. Ja, du darfst dich schwach und verletzt fühlen.
Erst wenn du Gefühle zulässt, können sie – früher oder später – auch wieder abklingen.

2. Akzeptieren, was ist.

Je länger du haderst mit all dem, was ist und wie es eingetreten ist, desto länger dauert es, bis du wieder Zugriff auf deine eigene Kraft bekommst. Warum ist das so gekommen? Warum ist das mir passiert? Warum nur habe ich das gemacht? Warum …
Das Grübeln und Hadern, der innere Widerstand gegen die Situation bindet deine Energie. Und ändert letztlich nichts für dich zum Besseren.

Ich sage nicht, dass das Akzeptieren ein einfacher Weg ist. Und es dauert vielleicht seine Zeit, bis es für dich möglich ist, eine klare Entscheidung zu fällen: „Ja, es ist nun mal im Moment so, wie es ist. Ich akzeptiere das jetzt.“
Akzeptieren heißt nicht, dass du es toll finden sollst oder dich gar darüber freuen musst. Akzeptieren bedeutet einfach, aus dem Hadern auszusteigen.

Mir hat eine banale Formel, die ich bei Kristin Neff in ihrem Buch „Selbstmitgefühl“ gelesen habe, geholfen, Akzeptanz zu lernen:

Schmerz = Leid x Widerstand.

Je mehr inneren Widerstand ich gegenüber einer leidvollen Situation aufwende, desto größer wird mein Schmerz. Das wollte ich nicht. Deshalb habe ich begonnen, meinen inneren Widerstand gegen Dinge, die ich (zumindest im Moment) nicht ändern kann, aufzugeben. So komme ich schneller in meine Kraft und werde rascher wieder handlungsfähig.

3. Vom Opfer zur Gestalterin werden.

Sich in allen möglichen Situationen als Opfer zu fühlen, hat etwas sehr Verführerisches. Die anderen sind schuld. Die anderen waren/sind böse zu mir. Ich bin arm. …
Das mag auf den ersten Blick helfen und Erleichterung verschaffen, weil es uns selbst in ein gutes Licht rückt. Die Sache hat allerdings einen Haken, noch dazu einen ziemlich großen:
Opfer sind ohnmächtig = OHNE MACHT.

Das Wort Macht kommt von „etwas vermögen“.
Etwas vermögen, also etwas zustande bringen, etwas auf die Reihe bringen, etwas in die Hand nehmen und umsetzen.
Dein Leben selbst in die Hand zu nehmen, selbst zu gestalten, dafür brauchst du dieses „Vermögen“.
Solange du dich als Opfer siehst, bist du ebenso von deiner Kraft, von deiner Macht abgeschnitten.
Insofern hängt dieser Punkt auch stark mit dem Akzeptieren, was ist, zusammen.

4. Optimismus pflegen.

Ja, ich gebe zu. Ich bin in meiner Grundanlage ein optimistischer Mensch und insofern fällt mir dieser Punkt etwas leichter als pessismistisch veranlagten Menschen.
Hinzu kommt, dass ich mit einem Spruch meiner Mutter aufgewachsen bin, der sich in mir eingebrannt hat: „Es gibt selten was Schlechtes, wo nicht auch was Gutes dabei ist.“ Das ist ein recht hilfreicher Glaubenssatz von mir.

Optimismus kannst du allerdings trainieren. Wie Klavierspielen oder Radfahren lernen.
Es geht dabei darum, achtsam zu sein, WIE denkst. Denn nur dann kannst du eingreifen, wenn dein Gedankenkarussell mit dir von einem zum nächsten Katastrophenszenario reitet, wenn du nur mehr das Schlechtes siehst …
Vergiss nicht:

Du hast Gedanken, aber du bist nicht deine Gedanken!

Sich auf Positives, auf Chancen und Möglichkeiten auszurichten, das braucht aktive Arbeit von dir.
Und es hilft, wenn du dir in Erinnerung rufst, was du in der Vergangenheit bereits alles bewältigt hast. Welche krisenhaften Situationen sich letztlich wieder zum Besseren gewendet haben. Wie das Leben auch nach Verlusten und Einschnitten wieder weitergegangen ist und auch wieder heller und strahlender geworden ist.

Optimismus, den du brauchst, bezieht sich auf zwei Aspekte:
a) Dass du dir grundsätzlich vorstellen kannst, dass es wieder besser werden kann und
b) dass du in deine Selbstwirksamkeit vertraust.

Das Vertrauen in deine Selbstwirksamkeit – also, dass du, wenn du etwas angehst, dich auch als wirksam erlebst – stärkst du, indem du dir immer wieder vor Augen führst, was alles in deinem Leben du schon geschafft hast.

5. Du bist nicht allein.

Allein das Wissen, dass es Menschen gibt, die für uns da sind, die uns beistehen, die uns helfen, senkt nachweislich den Stresshormonspiegel im Körper. Gute soziale Beziehungen, Familie und FreundInnen, sind ganz, ganz wesentlich, um unsere psychische Widerstandskraft zu stärken. Jene, die gläubig sind, haben in diesem Zusammenhang noch eine zusätzliche Unterstützung. Denn sie vertrauen, dass es da eine Kraft gibt, die ihnen hilft.

Ich weiß von mir selbst, dass ich besonders in schwierigen Situationen immer höllisch aufpassen muss, dass ich den Schatz meiner guten Beziehungen nicht unbeachtet links liegen lasse. Denn ich habe ein altes Verhaltensmuster, dass ich mich, wenn ich unter Druck komme, eher zurückziehe und immer weniger mit anderen rede.

Außerdem stellt sich die Herausforderung, bereits vor einer Krise, Beziehungen zu hegen und zu pflegen.
Auch da musste ich viel dazulernen und achtsamer werden. Denn, wir leben in einer Leistungsgesellschaft und sind oft im Stress. Früher habe ich dann zum Beispiel Freundschaftspflege viel zu oft schleifen lassen. Die Termine mit Freundinnen und Freunden waren meist die ersten, die verschoben wurden, wenn es im Kalender dicht wurde. Oder, wenn ich abends hundemüde nach Hause gekommen bin, war ich immer viel zu geschlaucht, um dann noch mit meiner Freundin zu telefonieren. Heute versuche ich das zu vermeiden. Weil ich mich nicht von meinen Energiequellen abschneiden möchte. Ich gebe der Pflege meiner Beziehungen jetzt viel mehr Wichtigkeit.

Du bist nicht allein, heißt auch, dass du es nicht allein schaffen musst. Immer wieder erlebe ich, dass Menschen den Anspruch an sich selbst haben, stark sein zu müssen, es selbst schaffen zu müssen. Und deshalb erlauben sie sich auch nicht, um Hilfe zu fragen. Und noch weniger, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Unser Auto bringen wir in die Werkstatt, wenn etwas im Moment nicht (so gut) funktioniert. Aber, wenn unsere Psyche Unterstützung braucht, dann scheuen wir uns, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Das ist absurd. Es gibt da draußen ganz viele Menschen, die extra dafür ausgebildet wurden, um uns zu helfen, wenn es uns schlecht geht. Also nutze sie!

Und nun zu dir:

Was hat dir bisher geholfen, krisenhafte Situationen zu meistern?
Lass doch bitte andere teilhaben an deinen Erfahrungen, indem du unten einen Kommentar schreibst!

Ich freue mich jetzt schon auf deine Rückmeldung.

Alles erdenklich Liebe und Gute für dich!
Sei gut zu dir. Du verdienst es.

Mit sonnigen Grüßen

PS:
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